Liebe Postprofis,

Die Postlogistik ist in diesen Zeiten ein wichtiger Pfeiler der Grundversorgung. Noch nie wurden vor Weihnachten so viele Pakete verschickt wie dieses Jahr. Die Deutsche Post AG weist prächtige Ergebnisse aus und steigert das Paketvolumen im 4. Quartal um 23% gegenüber dem Vorjahr. Auch im Expressgeschäft sind die Steigerungsraten mit 12% Umsatzwachstum im gesamten Jahr 2021 erheblich. Das Briefvolumen geht erstaunlich moderat mit Minus 7% zurück. Insgesamt wird diese Entwicklung vor allem im B2C-Geschäft getragen, also von den Unternehmen in den Privatbereich.

Doch es ist auch Wasser in den Wein zu gießen. So sind die Laufzeiten der Briefe in der bundesweit ersten Laufzeitmessung von Geschäftsbriefen, die der DVPT seit 2 Jahren im Netz der DPAG durchführt, im letzten Quartal deutlich zurückgegangen. Und dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr fort. Auch weist unser Panel starke Unterschiede bei den Briefzustellzeiten je nach Versand- und Zielort auf und wir treffen auf ein Zustellnetz, in dem die teilnehmenden Unternehmen sehr unterschiedliche Laufzeiten ihrer Briefe feststellen.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte die Portoerhöhung der Jahre 2016-2018 Mitte letzten Jahres für rechtswidrig befunden. Daraufhin überprüft die BNetzA seit Herbst letzten Jahres das Briefporto. Hierfür wurden neue Zahlen von der DPAG angefordert. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Bestenfalls dürfen wir Senkungen desaktuellen Portos für Briefe erwarten, eine Rückzahlung ausgegebener Beträge ist nicht zu erwarten.

Die Neufassung des über 20 Jahre alte Postgesetz ist schon in den ersten Zügen stecken geblieben.

Mit der Gesetzesnovelle will das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Postrecht modernisieren. Am 1. August 2019 wurden erste Eckpunkte veröffentlicht. Die Qualität der Postdienstleistungen soll verbessert, die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern gestärkt und der Wettbewerb auf den Postmärkten gefördert werden. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass weiterhin überall eine gute Grundversorgung gewährleistet ist. Seitens des BMWi war der Plan, dieses bereits im letzten Jahr zu einer ersten Fassung voranzutreiben. Der Bedarf dazu ist mehr als dringlich!  Denn es muss ja einen Grund haben, warum der private Markt seit Jahren mit 15% Marktanteil auf der Stelle tritt und die Beschwerden über mangelnde Qualität bei Brief- und Paketzustellung ständig steigen. Alle Verbände einschließlich des DVPT haben dem neuen Entwurf schriftlich und in offiziellen Arbeitstreffen mit den Behörden und Institutionen zugearbeitet. Bleibt zu hoffen, dass es dieses Jahr endlich weitergeht!

Was erwartet uns im kommenden Jahr auf den Brief- und Postmärkten

Der Trend zur Digitalisierung in allen Kommunikationsbereichen ist ungebrochen. Gerade in der Pandemie mit ihren Einschränkungen gewinnt die elektronische Kommunikation an Bedeutung. Nach aktuellen Studien des WiK ist die Digitalisierung des Briefmarktes vor allem von der Digitalisierung der öffentlichen Hand abhängig. Hier ist Deutschland nach wie vor „Entwicklungsland“ und liegt in Europa gerade einmal im Mittelfeld.

Die gesetzlichen Grundlagen sind schon seit langem geschaffen worden. Das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (Onlinezugangsgesetz – OZG) – bereits verfasst am 14.08.2017 – verpflichtet Bund, Länder und Kommunen bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen über Verwaltungsportale auch digital anzubieten. Insgesamt wurden knapp 600 gemäß OZG zu digitalisierende Verwaltungsleistungen (sogenannte OZG-Leistungen) identifiziert. Doch Deutschland kommt nur sehr langsam aus der Zettelwirtschaft heraus. Nun soll ein neues Gesetz als Nachbeschleuniger wirken. Unter dem sperrigen Begriff „Registermodernisierung“ beschloss das Bundeskabinett am 24.09.2020 die Neuregelung zur Vereinheitlichung der Verwaltungsprozesse. Die bekannte Steuer-Identifikationsnummer wird als zentrales und übergreifendes Ordnungsmerkmal in die Verwaltungsregister eingeführt. Sie soll in allen Verwaltungsleistungen den Stammdaten hinzugefügt werden, um einen verwechslungsfreien digitalen Datenaustausch über die jeweiligen Ämtergrenzen hinaus möglich zu machen. Wird für einen Vorgang beispielsweise eine Geburtsurkunde benötigt, so müsste man diese nicht bei seiner Geburtsstadt besorgen, sondern könnte die Erlaubnis zur digitalen Bereitstellung erteilen.

Was hat dies alles mit den Unternehmen und der Geschäftspost zu tun? Sehr viel! Denn es ändern sich einerseits die Gewohnheiten der Bürger, andererseits werden die Formvorschriften zur Kommunikation parallel zu den Gesetzen angepasst. Dies bedeutet, dass die digitale Kommunikation auch im geschäftlichen Bereich vorangeht. So tut sich im Gesundheitsbereich einiges. In elektronischen Portalen übermitteln die Leistungserbringer – Krankenhäuser und Arztpraxen – seit Anfang dieses Jahres ihre Krankendokumente zur Überprüfung durch den Medizinischen Dienst in digitaler Form. Jeden Tag fallen hunderttausende von Papierdokumenten weg und laufen direkt in die Prüfsysteme der Medizinischen Dienste.

Die Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an der Digitalisierung ihrer gesamten Prozesse. Der DVPT hat auf Drängen der Mitglieder einen neuen Arbeitskreis mit dem Thema „Digitalisierung Tagespost“ gegründet. Die Unternehmen wollen jetzt konsequent ihre gesamte Eingangspost – inklusive der Verwaltungspost – digitalisieren und in die Fachbereiche geben. Begonnen hat dies ja schon seit einiger Zeit. Aber im Homeoffice erreicht man die Mitarbeiter eben nur digital und so fallen auch die letzten Bastionen der hoheitlich geschützten Brieföffnungsregeln zugunsten einer ganzheitlichen Digitalisierung der Eingangspost.

Damit ist auch den vorhandenen Technologien der Automatisierung der Boden bereitet. Denn die seit langem vorhandenen Technologien der automatisierten Erkennung von Inhalten, der semantischen Interpretation von Dokumenten und des automatisierten Lernens von Dokumentenklassen und Bearbeitungsprozessen wird sich auch in der Dokumentenlogistik durchsetzen. Dies stellt neue Herausforderungen an die Mitarbeiter. Aber keine Sorge. Arbeitsplätze fallen durch die Digitalisierung zwar weg, es werden aber viele neue geschaffen. Weiterbildung und Flexibilität sind gefordert.

Fazit

Denn eines ist sicher: Morgen ist ein neuer Tag, an dem wieder Post kommt … so oder so!

Klaus Gettwart
Vorstand DVPT e.V.